Wie degustiert man Destillate richtig?

Das möglichst objektive Beurteilen von Spirituosen, die aus verschiedenen Sorten von Obst destilliert werden, nennt man Degustieren. Es handelt sich dabei um eine Überprüfung durch die Sinne, eine sensorische Geschmacksprobe. Als Sensoren dienen Auge, Nase und der Geschmackssinn.

Destillate richtig degustierenRiechen, Sehen, Schmecken. Man sollte sich etwas Zeit nehmen. (Foto by: © Sven Weber / fotolia.com)

Das richtige Glas

Cognacschwenker und die ehemals schweren Whiskygläser haben ausgedient. Heute nimmt man Nosing Gläser (englisch nosing = riechen). Das sind Gläser, die aus kristallklarem Glas hergestellt sind. Die Form ist einer Tulpe nachempfunden. Unten ist der Durchmesser groß genug, damit sich das Destillat richtig ausbreiten kann. Nach oben hin verjüngt sich das Glas und öffnet sich dann wieder. Dadurch können sich die feinen Aromen oben sammeln und die Nase kann ihre sensorische Arbeit leisten.

Dass ein Degustationsglas sauber sein soll, versteht sich von selbst. Dass es aber auch frei von fremden Gerüchen sein soll, scheinen manche Gastronomen nicht zu bedenken, wenn sie ein Getränk in einem Glas servieren, das frisch gespült noch die Aromen des Geschirrspülers beinhaltet. Deshalb sollte das Degustationsglas mit klarem Wasser gespült sein und vor der Degustation mit ein wenig Destillat umgespült werden.

Das Auge beginnt

Das Glas wird am Stiel angefasst, damit das Glas sauber bleibt und das Auge ungetrübt schauen kann. Hinter dem Glas sollte sich eine weiße Wand oder ein weißes Blatt Papier befinden, damit die Farbe klar erkannt werden kann.

Saubere GläserDie Gläser dürfen keine fremden Gerüche haben und müssen sauber sein. (Foto by: © Hoda Bogdan / fotolia.com)

Die Nase begutachtet die Duftaromen

Während das Auge begutachtet hat, hatten die Duftaromen Zeit, um sich unter dem oberen Rand des Nosing Glases zu sammeln. Wichtig ist der erste Geruchseindruck, da sich die Nase schnell an Gerüche gewöhnt. Die typischen Merkmale der Obstsorte kann man am Geruch erkennen. Sind diese nicht erkennbar, dann handelt es sich möglicherweise um kein sortenreines Produkt. Andererseits bilden verschiedene Geruchskomponenten das Gesamtaroma, das harmonisch angenehm ausfallen sollte. Sicher spielen hier subjektive Empfindungen eine Rolle, andererseits kommen professionelle Verkoster bei Blindverkostungen meistens zu demselben Ergebnis.

Die Geschmacksnerven treffen die letzte Entscheidung

Der erste Schluck ist der entscheidende. Genau wie die Geruchsnerven gewöhnen sich auch die Geschmacksnerven schnell an Neues. Wenn die Nase bestimmte Düfte erkennen konnte, so kann der Geschmack diese Empfindungen bestätigen oder widerrufen. Die Harmonie ist ein wichtiges Kriterium für die Güte eines Destillats. Um ein Gesamtbild zu erhalten, empfiehlt es sich, ein wenig des Destillats zu schlucken. Nun sollte man sich etwas Zeit nehmen, eine Scheibe trockenen Brotes essen, vielleicht auch etwas frische Luft schnappen, um vor der nächsten Degustation wieder frei für Neues zu sein.


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