Grappa: Die feinen Reste des Weines

Um sich mit Grappa zu befassen, muss man sich zunächst einigen, ob es "der Grappa" oder "die Grappa" heißt. Kenner wissen, dass es eigentlich "die Grappa" hieße, wir es aber meist mit dem männlichen Pronomen zu tun haben.

GrappaGrappa di Morellino di Scansano gilt als Geheimtipp unter den Grappa Sorten. (Foto by: © EcoPim-studio / fotolia.com)

Das Getränk, das als Abfallprodukt der Weinherstellung galt und daher anrüchig war, hat sich längst zu einer Spezialität gewandelt. Entsprechend viele Kellereien stellen ihren eigenen Grappa her.

Der erste Gappa mag irgendwann zwischen dem 5. und dem 9. Jahrhundert entstanden sein. Man findet zahlreiche historische Hinweise in der Literatur dafür. Aus ihnen ergibt sich, dass die Spirituose weithin bekannt war. Aber erst im 15. Jahrhundert wurde sie auch außerhalb Italiens gehandelt. Bauern durften Grappa für den Eigenbedarf brennen, ansonsten wurde die Produktion per Gesetz reglementiert. Der Grappa galt folglich als Schnaps der armen Leute.

Es bedurfte erst der Verbesserung der Destillationsverfahren und der Verfeinerung der Rezepturen, bevor der Grappa dieses Image ablegen konnte. Heute brennen zahlreiche Hersteller diesen so genannten Tresterbrand und man kann aus zahlreichen Geschmacksvarianten wählen. Die wichtigen Herstellerländer sind Italien und die Schweiz. Hergestellt wird der Grappa aus den Rückständen der Traubenpressung, die bei der Weinherstellung anfallen. Sie sind alkoholhaltig und vergoren. Man nennt sie Trester.

Der daraus destillierte Grappa kann zwischen 37,5 Volumenprozent Mindestalkohol und einem Maximalgehalt von über 70 Prozent Alkoholgehalt liegen. Zum italienischen Nationalgetränk avancierte der Tresterbrand durch das Nationalgefühl. Man verabreichte den italienischen Soldaten, die in den ersten Weltkrieg zogen, tägliche Grappa-Rationen, um sie im Kriegsgetümmel bei Laune zu halten. Zum Gourmetgetränk wurde der Grappa allerdings erst im 20. Jahrhundert.

Sorten

Grappa SchnapsGrappa ist ein vergorener alkoholhaltiger Pressrückstand der Weinherstellung. (Foto by: © EcoPim-studio/ fotolia.com)

Heute unterscheidet man zahlreiche Grappa-Destillen und Grappasorten. Der milde und leichte "Grappa Bianca Del Veneto" stammt aus dem italienischen Venetien, wo das Zentrum des italienischen Weinbaus angesiedelt ist. Auf der alljährlich in Verona stattfindenden "Vintaly" Weinmesse spielt der Grappa ebenfalls eine prominente Rolle. Diese Grappasorte ist für Einsteiger in die Materie ideal.

Der ebenfalls leichte, aber vollmundigere "Grappa di Cabernet" wird ähnlich wie der "Grappa di Chardonnay" aus den besten Weißwein-Reben der Welt destilliert. Beide Grappasorten sind elegant, leicht und frisch.

Die Toskana geht mit dem "Grappa di Chianti" ins Rennen. Der Destillation des Tresters in Kupferkesseln folgt eine Lagerung in Holzfässern. Sie sorgt für eine gelbliche Farbe dieses Grappas. Auch das Aroma des "Grappa di Chianti" ist kräftiger. Kraftvoll, aber mild zugleich kommt auch der "Grappa Invecchiata" ins Glas. Er lagert mindestes ein Jahr und besteht ausnahmsweise aus mehr als einer Rebsorte.

Zu den selteneren Grappasorten gehört der "Grappa di Morellino di Scansano" aus der Toskana. Er gilt als Geheimtipp unter Gourmets. Mit dem "Grappa di Moscato" erleben wir einen runden, samtigen und vollen Grappa, dessen regionale Herkunft sich nicht verleugnen lässt. Nicht nur für Weinkenner bietet der Grappa interessante Geschmackserlebnisse.


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