Insekten auf österreichs Speisekarten

Insekten als Delikatesse sind für viele Österreicher bisher eine absurde Vorstellung. Während die Kerbtiere in Ländern wie Thailand und China als nahrhafte und günstige Energielieferanten geschätzt werden, ist die Akzeptanz Ihres Verzehrs in Österreich bisher sehr niedrig. Viele Menschen ekeln sich vor Insekten, ohne diese jemals probiert zu haben.

Insekten auf dem TellerInsekten können auf vielfältige Art zubereitet und genossen werden. (Foto by: © Pascal RATEAU / fotolia.com)

Während die Tiere in weiten Teilen Asiens, Südamerikas und Afrikas traditionell und seit Jahrtausenden auf dem Speiseplan stehen, landen sie hierzulande höchstens als Köder an der Angel. In ganz Europa sind Insekten auf den Tellern bisher eher ein Nischenprodukt.

Grundnahrungsmittel

Nicht ohne Grund zählen Insekten in vielen Regionen der Welt zu den Grundnahrungsmitteln. Sie werden als zuverlässige Proteinlieferanten geschätzt. Heuschrecken haben einen Eiweißgehalt von bis zu 75%, während es ein Huhn im Vergleich auf etwa 24% bringt. Bereits 100 g Raupen decken den Tagesbedarf an Eiweiß eines durchschnittlichen erwachsenen Menschen. Insekten sind zudem reich an Spurenelementen wie Eisen und Zink und beinhalten ähnlich viele gesunde Fette wie Fische. Außerdem übertragen sie deutlich seltener Krankheiten als herkömmliche Nutztiere. Richtig zubereitet sind sie sehr bekömmlich und beinhalten Chitin, das zur Cholesterinsenkung beiträgt. Ist die psychologische Abneigung erst einmal abgelegt, bringen Insekten eine große Vielfalt auf den Speiseplan. Weltweit gibt es bis zu 2000 essbare Arten. Neben Heuschrecken, Grillen und Heimchen stehen, je nach Region, Mehlwürmer, Wasserwanzen, Termiten-Eier, Schmetterlingsraupen sowie Bienen-, Käfer- und Ameisenlarven auf dem Speiseplan von circa zwei Milliarden Menschen.

Ökologisches Plus

Auch die ökologischen Gesichtspunkte sprechen für den Verzehr von Insekten. Mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum steigt der Bedarf an tierischen Eiweißen. Heuschrecken sind zu 80% essbar und weitaus effizientere Nahrungsverwerter als Nutztiere. Während Sie für die Bildung von einem Kilo Körpergewicht etwa zwei Kilogramm Futtermasse benötigen, verbrauchen Schweine etwa vier Kilogramm, Rinder sogar bis zu acht Kilogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Insekten können platzsparend und mit Bio-Abfällen gezüchtet werden und verursachen weit weniger Treibhausgase als Nutztiere.

Österreichs Insektendinner

Maden gebratenSpeisen mit eiweißreichen Würmern in Europa weiten sich aus. (Foto by: © yarlander / fotolia.com)

Erst selten finden Heuschrecken, Larven und Mehrwürmer ihren Weg auf die Speisekarten österreichischer Restaurants. Erste Ansätze und Veranstaltungen, dies zu ändern, gibt es aber bereits. Die Gründer des österreichischen Vereins Speiseplan haben sich zum Ziel gesetzt, Berührungsängste abzubauen und Insekten als ökologische Alternative in Österreich und Europa auf die Teller zu bringen. Über Ihre Internetseite bieten Sie Verkostungen und Kochkurse in Wien an. Zur Vermarktung ihrer Idee arbeiten sie mit Spitzenkochs zusammen, die schmackhafte Menüs mit Heuschrecken, Mehlwürmern und Heimchen zusammenstellen. Erst im März hat Harald Irka in Hanni Rützlers futurefoodstudio in Wien zum 5-Gang-Insektendinner geladen. Insekten schmecken leicht nussig und eigenen sich für süße und deftige Speisen. Ob gegrillt oder frittiert, gesalzen, gewürzt oder mit Schokolade überzogen - Insekten können auf vielfältige Art zubereitet und genossen werden. Sie eigenen sich sowohl als Vorspeise, Hauptgang oder Dessert. In Österreich sind Insekten als Delikatesse bisher dennoch eher ein Nischenmarkt. Doch wer jetzt Lust auf Krabbeltiere bekommen hat, sollte das Wiener Crossfield Australian Pub besuchen. Das Restaurant bietet herrlich gegrillte australische Heuschrecken auf seiner Speisekarte an.

GuteKueche-Redaktion, 23.04.2015


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