Sturm und Most im Glas

Ein guter Buschenschank, eine deftige Brettljause und dazu ein Gläschen Most oder Sturm. Während das eine Getränk alkoholfrei ist, kann das andere schon mal einen Sturm im Kopf verursachen.

TraubenmostEin roter Traubenmost oder "Sturm" gehört zum Herbst einfach dazu. (Foto by: © DoraZett / fotolia.com)

Ein perlendes Getränk, ein guter Buschenschank und ein laues Herbstlüftchen – Herbstzeit ist Most- und Sturmzeit (in Deutschland auch Federweißer oder Federroter genannt). Gerade in Österreich ist das Getränk sehr populär. Während der Herbstwind munter durch die Lüfte weht, breiten sich mit ihm die Getränke von Osten nach Westen aus. Ins Weinglas kommt der süße Most und Sturm dann in ganz Österreich. Ob gespritzt oder pur, ob rot oder weiß – kaum einer kennt sie nicht.

Halb Most, halb Wein

Können Sie sich etwas erfrischenderes vorstellen, als süßen Most oder Sturm? Zu den kräftigen Speisen der Herbstzeit passen diese Getränke hervorragend. Die Tradition dieser Getränke ist eine sehr lange. Mittlerweile haben sich viele verschiedene Begriffe rund um den beliebten Sturm entwickelt. Unterschiedliche Traubensorten, sowie diverse Farbtöne unterscheiden die Getränke in den einzelnen Regionen. Aber eine Tatsache verbindet sie alle: Sturm ist nicht mehr Most und noch kein Wein.

Am Anfang war der Most

Ein durch das Pressen (Keltern) gewonnener Fruchtsaft wird Most genannt. Der Begriff „Most“ leitet sich vom lateinischen „mustum“ ab, was so viel bedeutet, wie „junger Wein“. Es gibt verschiedene Mostsorten, so unterscheidet man zum Beispiel Apfel- und Birnenmost. Der Traubenmost ist die Vorstufe zum Wein, aus ihm wird nach einiger Zeit der Sturm. Österreich ist bekannt für seine Mostkultur. Man kennt sowohl den Süßmost, als auch den sauren Most. Mit Süßmost wird der Saft unvergorener Äpfel oder Trauben bezeichnet, saurer Most ist Apfelwein. Viele traditionelle Mostbauern liefern uns den guten Saft, der gerade während der Heurigensaison punkten kann.

Eine lange Geschichte

WeinfassDurch das Keltern von Fruchtsaft wird Most gewonnen. (Foto by: istock.com)

Die Verarbeitung von Obst zu Most besitzt eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Damals schmeckte der Most allerdings häufig sehr bitter, weshalb man sich meistens auf das Trocknen von Obst beschränkte. Die Entwicklung der Kenntnisse rund um die Mostzubereitung dauerte sehr lange, heute können wir hochwertigen Most genießen.

Vom Bremser zum Sturm

Traubenmost beginnt durch seinen Hefegehalt relativ schnell zu gären. Auch die Lagertemperatur kann für einen rascheren Gärvorgang verantwortlich sein. Zu Beginn der Gärung ist noch sehr viel Fruchtzucker vorhanden. Im Fränkischen nennt man den jungen Wein da „Bremser“. Ab einem Alkoholgehalt von nur einem Prozent wird der einstige Most in Österreich als Sturm bezeichnet, verkauft wird er ab vier Prozent. Geschmack und Farbe können dabei sehr variieren.

Nimmt der Alkoholgehalt zu, ändert sich natürlich auch der Geschmack. Am Anfang des Gärvorgangs ist der Sturm noch sehr süß, im Laufe der Zeit nimmt der Zuckergehalt ab und das Getränk wird immer alkoholischer.

Federweißer oder Federroter In Deutschland kennt man das Getränk unter dem Begriff Federweißer oder Federroter, jenachdem, ob es sich um weißen oder roten Sturm handelt. Grundsätzlich werden diese verschiedenen Begriffe zu einem zusammengefasst, der überall bekannt ist: „Neuer Wein“. Egal, ob Blitzler, Sauer, Suser oder Sturm – trotz der unterschiedlichen Bezeichnungen haben die Getränke eines gemeinsam: Durch das gleichzeitige Vorhandensein von Alkohol und Zucker gehen sie sehr schnell in die Blutbahn über und verursachen einen „Sturm“ im Kopf.

Spritzig und gesund

Roter SturmEin Sturm gehört zu einer guten Jause einfach dazu. (Foto by: © Simone / Gutekueche.at)

Sturm hat einen hohen Kohlendioxidanteil und wird deshalb als sehr spritzig empfunden. Anfangs erinnert der Sturm an Schaumwein oder süße Traubenlimonade. In Maßen genossen kann das Getränk sogar eine positive Wirkung auf den Körper haben, allerdings sollte man nie die gefährliche Kombination aus Zucker und Alkohol außer Acht lassen. Sehr schnell kann dadurch ein Rauschzustand erreicht werden, da der Alkohol sofort in die Blutbahn übergeht.

Der Sturm enthält einige Vitamine und wirkt sich positiv auf Haare und Haut aus. Der hohe Gehalt an Vitamin B1 unterstützt das Nervensystem. Nicht umsonst nennt man dieses Vitamin auch „Stimmungsvitamin“. Das Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, ist für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels unerlässlich und somit lebensnotwendig.

Sturm im Magen... Allerdings hat Sturm eine sehr positive Auswirkung auf die Peristaltik (Speiseröhre, Magen- und Darmtätigkeit) des menschlichen Körpers. Auf gut Deutsch gesagt: Zu viel Sturm verursacht unangenehmen Durchfall.

Sturmtrinken will gelernt sein

Die Kunst des Sturmtrinkens will in der Tat gelernt sein. Es gibt einige Regeln, die einfach eingehalten werden müssen. Die Gläser des „ungetauften“ Sturms werden in der linken Hand gehalten, mit ihnen wird nicht angestoßen. Regel Nummer 1 eines Sturmtrinkers ist: Statt „Prost“ sagt man „Mahlzeit“, solange das Getränk ungetauft ist. Erst ab Martini, also ab dem 11. November, wird der junge Wein getauft und wie in gewohnter Weise getrunken. Am besten passt Sturm übrigens zu deftigen Gerichten, aber auch Maroni vom Rost werden dazu gegessen.

Richtige Lagerung zu Hause

Frisch gekaufter Sturm vom Winzer ist gut gekühlt ein paar Tage haltbar, bis fast der ganze Zucker zu Alkohol vergoren ist. Dann bezeichnet man den Sturm als „Staubigen“. Sturm wird immer nur leicht zugestöpselt, da das Gärgas die Flasche ansonsten sprengen würde. Als Schutz vor kleinen Insekten reicht auch ein Stück Alufolie, das auf die Flaschenöffnung gelegt werden kann.

Was Sie auf keinen Fall tun dürfen – die Flasche verkorken. Ein, zwei Gläschen Sturm beim Heurigen und dazu eine gute Brettljause muss jeder Österreicher einfach einmal ausprobiert haben. In Maßen genossen erleben Sie auch am nächsten Tag keine bösen Überraschungen, sondern tun sogar etwas Gutes für Ihren Körper.


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User Kommentare

spicy-orange
spicy-orange

Bald ist wieder Sturmzeit, lange heißt es nicht mehr warten! Freue mich jedes Jahr auf den Spätsommer bzw. Herbst und die Sturmzeit!

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