Uhudler - rein, unverfälscht, uralt!

Verrufen, verspottet und auch noch verboten - der Uhudler hat eine lange Tradition hinter sich - doch was steckt wirklich dahinter?

UhudlerDer Uhudler Wein wird im Südburgenland erzeugt. (Foto by: © Gutekueche.at)

Der Uhudler ist eine österreichische Weinsorte und war lange Zeit verboten. Heute gilt er jedoch als eine Spezialität fast schon als "Kult-Wein", obwohl er nicht als Qualitätswein bezeichnet werden darf. Geradezu mystische Kräfte wurden dem Wein zugeschrieben, in ihm wohne die Kraft der Metamorphose (aber nur bei überhöhtem Konsum). Außerdem handelt es sich hierbei um ein rein biologisches Produkt (ohne chemische Pflanzenschutzmittel) und wird an der Grenze zwischen dem oststeirischen Hügelland und der Ebene der Puszta, jener Gegend – die man inzwischen auch als Thermenland zu schätzen weiß, angebaut.

Geschichte des Uhudlers

Am Ende des 19. Jahrhunderts vernichtete die, aus Amerika eingeschleppte, Reblaus einen großen Teil der gesamten Weinernte. Resistente amerikanische Rebstöcke (z.B. Concord, Elvira, Noah Grün, Othello Blau, Isabella und Ripotella) die teils wurzelecht gedeihen, wurden importiert. Die Rebstöcke veredelte man mit den heimischen Sorten.

Nur einige wenige Winzer ließen die Reben aus Übersee in ihrer ursprünglichen Form gedeihen und bezeichneten sie als "Direktträger". Alle Mischungen aus diesen sogenannten Direktträgern wurden unter dem Namen Uhudler verkauft. 1936 wurde europaweit der Verkauf von Hypridweinen und das Auspflanzen von Hybridpflanzen verboten. Diesen Weinen wurde unterstellt, dass sie als Ursache für Siechtum, Hysterie, Zornexzesse und Missbildungen bei Kindern zu sein - was natürlich vollkommener Unsinn war. Erst Anfang der 90iger Jahre wurde der Uhudler wieder erlaubt.

Er darf aber nur als Tafelwein und nicht als Qualitätswein verkauft werden und das nur in jenen acht  südburgenländischen Gemeinden (Eberau, Strem, Heiligenbrunn, Güssing, Neustift bei Güssing, Burgauberg-Neudauberg, Heiligenkreuz und Eltendorf) wo er auch angebaut wird. Auch in Frankreich gibt es noch große Anbauflächen von Hybridreben, in der Schweiz nennt man die Reben Americano, in Italien Fragola, nur in Österreich heißt er Uhudler.

der Name Uhudler

Woher der Name "Uhudler" stammt, weiß keiner so genau - dazu gibt es viele Geschichten. Plausibel klingt die Version mit dem "Uhu-Blick", den man angeblich nach übermäßigem Genuss bekommt. ...Nachdem der Wein hergestellt worden war und die Männer auch schon gekostet hatten und dann mit Ringen unter den Augen zu ihren Frauen kamen, sagten diese zu ihnen: "Du schaust ja aus wie ein Uhu!"

Heute ist der Name Uhudler markenrechtlich geschützt und darf ausschließlich in der Weinregion Südburgenland verwendet werden. Außerdem dürfen nur solche Uhudlerweine, die eine strenge Weinverkostung positiv bestanden haben, das Originaletikett tragen.

Geschmack & Wirkung

Uhudler beim HeurigerEin Uhudler passt zu einer deftigen Brettljause. (Foto by: © Nick Freund / fotolia.com)

Je nach Sorte und Herkunft variiert die Farbe von einem blassen Stroh- bis Hellgelb beim weißen Uhudler. Zartes Rosa, helles Kirschrot bis hin zu Ziegelrot kann die Farbpalette der blauen Trauben hervorbringen. Im Duft erinnert der Uhudler an Erdbeeren, Ribisel oder auch Himbeeren, manchmal an frisch gelesenen Trauben (die Trauben sind auch als Tafeltrauben köstlich und sehr süß).

Im Abgang merkt man die Säure auch deutlich (ist nicht jedermans Geschmack), aber das macht den Reiz der Sache erst aus. Im Prinzip ist der Uhudler der perfekte Sommerwein und paßt so richtig zu deftige Speisen. Wirkung Aber Achtung der Uhudler ist auch für seine stark alkoholisiernde Wirkung bekannt. "Der erste macht dich zum Tribunen, der zweite zum Philosophen, der dritte zum Terminator, der vierte dann zum lallenden Kleinkind!" Biologisch Da der Uhudler ein Direktträger und äußerst resistent gegen die Reblaus und Pilzkrankheiten ist werden beim Anbau auch kein chemischer Pflanzenschutz notwendig. Er ist also ein reines Naturprodukt.

Anbaugebiet & Verkauf

Auf Basis des Österreichischen Weingesetzes darf der Uhudler in acht burgenländischen Gemeinden in denen er auch Angebaut wird, verkauft werden. Der Hauptort ist sicher das Dorf Heiligenbrunn. Aber nicht nur in Heiligenbrunn wird Uhudler produziert. In vielen anderen Gemeinden des Südburgenlandes gibt es Uhudler-Heurige.

Sie alle haben sich zum "Verein der Freunde des Uhudler" am 31. Mai 1989 im Weinmuseum Moschendorf zusammen geschlossen. Inzwischen gibt es auch ein richtiges Weinbaumuseum in Moschendorf mit einer eigenen Uhudler-Vinothek, 16 verschiedene Uhudler kann man dort verkosten, welche von Mai-Oktober geöffnet ist.

Einkauf: Da die Anbaufläche (15 ha) und somit der Wein-Ertrag (ca 60.000 l) sehr klein sind, kann es schon mal vorkommen, dass man – egal ob beim Weinbauern oder im Netz, die Antwort bekommt: "Uhudler ist gut, aber aus. Nächstes Jahr wieder!"


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User Kommentare

jorrado
jorrado

Für dieses von mir heiss geliebte Produkt habe ich bei Ferienaufhalten im Thermenland auch noch die Bezeichnungen Rabiatperle und Heckenklescher kennen gelernt.

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SimoneH
SimoneH

Hallo, danke für den Hinweis, es sind 8 Gemeinden (sind nun auch einzeln aufgelistet) lg

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