In Westösterreich sind Krähen schwarz, in Ostösterreich sind sie grau. Schuld ist die europäische Krähengrenze, die quer durch Österreich verläuft. Sie regelt die Lebensräume von Raben- und Nebelkrähen, die sich nur selten mischen.

Die europäische Krähengrenze beginnt in Österreich zwischen Wald- und Weinviertel, verläuft dann über Wien und die Ostalpen nach Graz und biegt von dort nach Südwesten in Richtung Triest ab. Westlich dieser Grenze kommen schwarze Rabenkrähen vor, östlich davon graue Nebelkrähen.

Die beiden Krähenarten unterscheiden sich genetisch kaum, abgesehen vom Aussehen. Beiden Arten entstanden während der vergangenen Eiszeiten. Die eiszeitlichen Gletscher der Alpen teilten die Population damals in zwei Gruppen: Eine Gruppe zog sich nach Spanien zurück, die andere weit nach Osteuropa. Während sie dort überwinterten entwickelten sie ein verschiedenfarbiges Federkleid.

Beide Arten können offenbar mit der jeweils anderen nicht viel anfangen. Sie haben wohl eine starke Präferenz in der Partnerwahl für die gleichen. Rabenkrähen bevorzugen Rabenkrähen, Nebelkrähen bevorzugen Nebelkrähen. Kommt es doch zu „Mischehen“, dann haben es die Nachkommen tendenziell schwer auf dem Heiratsmarkt. Das könnte der Grund sein, warum sich die Krähenarten über Jahrtausende nicht vermischt haben.

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