Forum - Kardinal feuert Polizeiseelsorger

 
Lara1

Ein offener Brief bezüglich der Coronamassnahmen an den Innenminister und eine Rede bei einer Demo mit Vergleich zu einem Kriegsdienstverweigerer in der Nazi-Zeit,  war für Kardinal Schönborn der Grund, einen ehrenamtlichen Polizeiseelsorger zu entpflichten.

Der Kardinal war der Meinung, dieses Verhalten könnte das gegenseitige Vertrauen von Staat und Kirche gefährden.

Mein Vertrauen in die Kirche hat es jedenfalls sehr gefährdet.

Silviatempelmayr

Diese Vergleiche Corona Maßnahmen mit der Kriegszeit und allem was da geschehen ist finde ich unmöglich. Keiner von uns kann sich das Leid dieser Zeit vorstellen. 

Lara1

Silviatempelmayr: Weisst du, wie sich die Kirche in der Nazi-Zeit verhalten hat?

Schnellkoch_Bob

Ich finde es schön, wenn sich Diakon Uwe das Verhalten von Franz Jägerstätter zum Vorbild nehmen will, wie man nach seinem Gewissen handelt. Er scheint aber nicht ganz begriffen zu haben, worum es Franz Jägerstätter ging und was seine Beweggründe waren. Und abgesehen davon: In dem Kontext, in dem das ganze abgelaufen ist, finde ich den Vergleich sachlich wie emotional völlig unpassend, ganz egal, wie er es gemeint haben sollte.

Zum Verhalten der (katholischen) Kirche in der Nazi-Zeit: Ja natürlich hat sie sich der Nazi-Ideologie in den Weg gestellt. Eben aus dem Grund, dass sie für das Leben, die Gesundheit und die Würde aller Menschen eingetreten ist. Sollte sie sich heute nicht auch so verhalten?

Billie-Blue

Ich finde, man darf alles kritisieren, wenn man denkt, es läuft etwas in die falsche Richtung. Aber man sollte dabei nie mit etwas anderem vergleichen. Mit diesen Vergleichen schneiden sich Kritiker, die vielleicht zu Recht etwas nicht in Ordnung finden ins eigene Fleisch und merken nicht, dass sie damit kontraproduktiv agieren.

Lara1

@Schnellkoch-Bob: natürlich hat sie sich der Nazi-Ideologie in den Weg gestellt?

Siehe lebendiges Museum online - da stehen andere Tatsachen.

Schnellkoch_Bob

@Lara1: ??? Dann schau Dir doch mal echte Tatsachen an. Wir haben auch einige davon in Österreich.

Lara1

@ Schnellkoch-Bob: 

ÖRKÖ Erklärung:

Wir müssen einbekennen, daß es auf diesem Hintergrund in den düsteren Jahren von 1938 bis 1945 Schuld und Versagen durch Wegschauen und Mittun gegeben hat.

Nur vereinzelt gab es in den Kirchen auch Widerstand gegen das verbrecherische NS-Regime.

offizielle Erklärung der Österreichischen Kirche  - sind doch Tatsachen, nicht wahr?

 

Schnellkoch_Bob

@Lara1: Natürlich sind das Tatsachen. Aber wieso blendest Du den Rest der Tatsachen aus? Dass dieser "vereinzelte Widerstand" regelmäßig zu Gewalt gegen Priester und Gläubige geführt hat. Ein altbekanntes Beispiel hier aus der Gegend ist z. B. die Katholische Jugend und Kardinal Innitzer in Wien. Dass Kirchen, Klöster, Druckereien und Schulen gestürmt bzw. enteignet, alle kirchlichen Organisationen aufgelöst und Leute verschleppt worden sind, nachdem der damalige Papst dazu aufgerufen hat, "nicht durch unzeitgemäßes Schweigen mitschuldig zu werden". Dass danach Kirchen und Klöster im Untergrund mitgeholfen haben, Verfolgte zu beschützen. Usw. Dass später allein tausende Priester ihrem Gewissen gefolgt sind, bis sie in Konzentrationslagern gelandet sind. Natürlich kann man sagen, dass mehr getan hätte werden müssen. Aber hat irgendeine andere Organisation mehr getan?

Eine "Österreichischen Kirche" wie Du schreibst, gibt es übrigens nicht. Der "Ökumenische Rat", den Du zitierst, ist eine Zusammenarbeit von vielen verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften.

Lara1

Warum sollte ich den Rest der Tatsachen denn ausbleden?

Dass die Kirche nicht immer "christlich" unterwegs ist und war sind Tatsachen.

Da gäbe es auch jetzt noch genug zu verteidigen, aber es sind nicht alle so.

Ich habe ja auch geschrieben, daß mein Vertrauen stark gefährdet ist.