Werden Insekten unser Fleisch ersetzen?

Werden Insekten in Zukunft vermehrt auf unsere Teller kommen und können sie sogar unser Fleisch ersetzen können? Was bei uns als ekliges Ungeziefer verschmäht wird, gilt in Teilen Asiens, Südamerikas und Afrikas als gesunde und schmackhafte Delikatesse: Die Rede ist von essbaren Insekten wie Mehlwürmern, Heuschrecken und Rüsselkäferlarven.

Großer Ekelfaktor bei den kleinen Tierchen - doch können sie auch unsere Essgewohnheiten verändern?Großer Ekelfaktor bei den kleinen Tierchen - doch können sie auch unsere Essgewohnheiten verändern? (Foto by: MauMyHa / Depositphotos)

Die Insektenfrage neu aufgetischt

Hierzulande kann man sich über die Notwendigkeit, Insekten zu essen, durchaus streiten: Akute Hungerprobleme sind Gottseidank eher selten. Doch global gesehen stellt uns eine rasant steigende Bevölkerungszahl vor immer neue Probleme.

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wird unsere Weltbevölkerung bis zum Jahre 2030 auf etwa neun Milliarden gestiegen sein.

Schon heute werden viele Entwicklungsländer von Hunger und Armut geprägt - könnten Insekten dabei helfen, die gesamte Menschheit langfristig und nachhaltig zu ernähren? Und wollen wir die Krabbeltiere überhaupt essen?

Vorteile von Insekten als Fleischalternative

In vielen asiatischen Ländern stehen Insekten schon seit Menschengedenken auf den Speiseplan.In vielen asiatischen Ländern stehen Insekten schon seit Menschengedenken auf den Speiseplan. (Foto by: macky_ch / Depositphotos)

Schauen wir uns zunächst einmal Gründe an, die für die Verwendung von Insekten als Fleischalternative sprechen:

  • Insekten sind gesund: Sie weisen einen hohen Eiweißgehalt auf und enthalten wichtige Vitamine, Mineralien und ungesättigte Fettsäuren.
  • Die Insektenzucht verbraucht weniger Ressourcen als die klassische Viehzucht: Eine Studie der Welternährungsorganisation zeigt, dass für die Herstellung eines Kilo Rindfleischs acht Kilo Futtermittel benötigt werden. Für ein Kilo Insekten dagegen müssen lediglich zwei Kilogramm an Futter bereitgestellt werden.
  • Insekten haben eine bessere CO2-Bilanz: Insgesamt ist die Abgabe von Treibhausgasen bei der Insektenzucht relativ gering.
  • 65% der Weltbevölkerung verzehren regelmäßig Insekten: Schon bei unseren Urahnen standen Insekten als wichtige Eiweißquelle häufig auf dem Speiseplan - und daran hat sich bis heute nichts geändert.
  • Richtig zubereitet, können Insekten durchaus schmackhaft sein: Zu Mehl verarbeitet können sie zu Backwaren verarbeitet werden, und auch als Zusatz in Burgern und Fleischbällchen bekommen die Krabbeltiere eine für uns durchaus genießbare Konsistenz und augenfreundliche Präsentation. Frittiert, gebraten, mit Nudeln, Reis oder sogar als Dessert können Insekten vielfältigerweise zubereitet werden.

Kritik an Insektenverzehr und -zucht

Dadurch dass man die kleinen Tierchen als Ganzes sieht, ist die Abneigung oft groß.Dadurch dass man die kleinen Tierchen als Ganzes sieht, ist die Abneigung oft groß. (Foto by: MichalLudwiczak / Depositphotos)

Gegner des Insektentrends geben folgende Gründe gegen verstärkte Zuchtbemühungen an:

  • Massenproduktion bringt neue Probleme mit sich: Wenn Milliarden von Insekten auf engstem Raum industriell gezüchtet werden, kommen ernsthafte Bedenken zu Themen wie Hygiene und Krankheiten auf.
  • Der weit gepriesene Eiweißgehalt von Insekten wird von einigen Experten angezweifelt: Das Chitin wird in der Regel bei der Analyse miteinbezogen, obwohl es sich genau genommen und kein Protein handelt und selbst über keinerlei Nährstoffe verfügt. Dadurch werden Forschungsergebnisse verzerrt.
  • Insekten müssen auch essen: Auch den Krabbeltieren muss qualitativ hochwertiges, hygienisch einwandfreies Futter bereitgestellt werden, um die Lebensmittelqualität zu gewährleisten - Insekten sind keine Müllschlucker.
  • Insekten als Nahrungsmittel sind weiterhin für viele nur schwer vorstellbar: Massenhaftes Krabbeln, Zirpen und Sich-Schlängeln ruft bei den meisten Menschen Ekel hervor. Der Verzehr steht, wenn überhaupt, eher als Mutprobe oder Scherz zur Debatte. Ein Umdenken auf weitreichendem Niveau ist notwendig, bevor Insekten als normales Nahrungsmittel akzeptiert werden können.

Kurzlebiger Trend oder ernsthafter Lösungsansatz?

Auch wenn sich Nahrungsmittel auf Insektenbasis in den westlichen Industrienationen wachsender Beliebtheit erfreuen, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis industrielle Zucht und Verkauf zur Norm werden: Insekten werden bislang in den meisten Ländern nicht als Lebensmittel angesehen.

Einzige Bezugsquellen sind daher der Gang in ein Zoofachgeschäft, wo die Tiere lebendig als Tierfutter zu erwerben sind oder in qualitativen Onlineshops. Den meisten Menschen ist ein schönes Schnitzel da sicher lieber: Da weiß man, was man hat. Und krabbeln tut es auch nicht.


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