Gästeregistrierung in der Gastroszene

Die Gästeregistrierung ist für manche eine Notwendigkeit zur Bekämpfung des Virus, für andere eine Schikane gegenüber den Gastronomen und Gästen.

Gästeregistrierung via App Die Gästeregistrierung via App ist eine mögliche schnelle Abwicklung und verhindert eine Zettelwirtschaft. (Foto by: BasilicoStudioStock / Depositphotos.com)

In Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg ist die Registrierung beim Besuch eines Gastro-Betriebes verpflichtend.

Gäste haben datenschutzrechtliche Bedenken. Gastronomen beschweren sich über Mehraufwand. Das Angebot an Lösungen im digitalen Bereich wird immer breiter. Doch öffnen sich dadurch auch Problemfelder.

Nutzen der Registrierung

  • Zwei Wochen nach Einführung der Gästeregistrierung in Wien konnte ein erstes Resümee gezogen werden.
  • Gastgeber und Gäste halten sich an die Verordnung.
  • Doch in nur drei Fällen wurde behördlich davon Gebrauch gemacht.
  • Das wirft die Frage auf, ob Aufwand und Nutzen in Relation stehen.

Entlastung für Verwaltung und Service

Einen Vorteil bringt die Registrierungspflicht jedenfalls: Personelle Ressourcen in der Verwaltung werden freigesetzt.

Es muss nicht mehr aufwendig nachgeforscht werden, wer sich wann in einem Restaurant mit einem Corona-Fall aufgehalten hat.

Infektionsketten können so rascher durchbrochen werden. Das birgt die Hoffnung, dass Testungen rascher durchgeführt werden und sich der Service für Corona-Betroffene verbessert.

Das Problem mit dem Datenschutz

Datenschutz und Corona Bei der Gästeregistrierung geben viele keine richtige Daten an - mit Folgen! (Foto by: Kitzcorner / Depositphotos.com)

Ein Teil der Gäste sieht in der Bekanntmachung ihrer Daten überhaupt kein Problem. Sie argumentieren damit, dass sie

  1. bei jeder Tischreservierung die gleichen Daten angeben,
  2. bei Lieferservices noch mehr Informationen preisgeben und
  3. bei einer möglichen Infektion gerne rasch informiert werden.

Nicht jeder sieht das so locker. Bis zu 70 % geben falsche Daten an. Der Gastronom ist nicht verpflichtet, die Daten auf Echtheit zu überprüfen.

Verweigert der Gast die Auskunft, hat der Wirt im Rahmen seines Hausrechts die Möglichkeit, ihm die Bewirtung zu untersagen. Eine rechtliche Verpflichtung besteht für den Kunden nicht.

In Deutschland hat eine Untersuchung ergeben, dass etwa die Hälfte der Lokale nicht dem notwendigen Datenschutz gerecht wird. Das liegt unter anderem an den kurzen Umsetzungsfristen, die viele Wirte vor den Kopf gestoßen haben - auch in Österreich.

Leidtragende sind die Wirte selbst, die bei Datenschutzverstößen hohe Strafen zahlen müssen.

Apps gegen Zettelwirtschaft

Digitale Lösungen sollen Gastro-Betreiber um die Zettelwirtschaft erleichtern. Bei Selbstregistrierung via App sind die Daten vor den Blicken anderer Gäste geschützt und auch neugierige Kellner haben keine Möglichkeit, darauf zuzugreifen.

Durch Scannen eines QR-Codes wird der Gast auf ein Registrierformular weitergeleitet oder durch vorherige Eingabe der Daten automatisch registriert.

Doch bergen diese digitalen Lösungen auch Probleme:

  1. Es besteht Ungewissheit darüber, wie unbekannte Anbieter mit diesen Daten umgehen und
  2. müssen Gäste ohne Smartphone dennoch auf herkömmliche Zettel zurückgreifen. Behördlich zertifizierte Angebote sind in Ausarbeitung und sollen zumindest die datenschutzrechtlichen Gefahren aus der Welt schaffen.

Fazit

Sieht man die Registrierungspflicht als Alternative zur Komplettsperre von Lokalen oder zur Vorverlegung der Sperrstunde, so ist die Gästeregistrierung das gelindere Mittel. Im Falle einer Cluster-Bildung in einem Restaurant können potenziell Infizierte schnell ausfindig gemacht werden.

Datenschutzprobleme sind jedoch evident und müssen schnell beseitigt werden. Ebenso ist es notwendig, den Wirten eine rechtlich klare Position zu verschaffen und vertrauensbildende Maßnahmen für die Gäste zu ergreifen. Denn wenn diese aus Unsicherheit zu Hause bleiben, wird sich die ohnehin finanziell angespannte Situation für die Gastronomen weiter verschärfen.


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User Kommentare

Pesu07

Die Alternative zur Registrierung der Gäste ist, dass die Sperrstunde vorverlegt wird bzw. dass die Gastronomie eine gewisse Zeit zusperren muss.
Die Leute vergessen oft, dass sie sehr viele private Informationen sehr locker freiwillig im Netz preisgeben.

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Pesu07

Mittlerweile haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Registrierungen kaum mehr überprüft werden. Der QR Code ist wohl am Tisch, aber ob man sich registriert oder nicht, das wird nicht kontrolliert.

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Kanguruh1

Ich versteh nicht, warum manche so ein Drama um die Registrierung machen.
In anderen Bereichen ist man recht „großzügig“ damit, siehe Facebook & Co!

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sssumsi

Ich versteh auch nicht warum sich viele an einer Registrierung stören. Bei Kundenkarten und in den sozialen Medien sind viele nicht so zurückhaltend.

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moga67

Ich hab auch keine Bedenken wegen der Registrierung, da dürfte ich auch keine Kundenkarte haben oder mich im Telefonbuch eintragen lassen.

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puersti

Wer sagt, dass jeder der die Registrierung ablehnt, Kundenkarten hat, oder sich im FB oder anderen Plattformen aufhält, bzw. sein Leben präsentiert?

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MaryLou

Es wird sehr wenig kontrolliert, habe ich leider festgestellt. Auch wenn der Wirt oder Restaurant Besitzer mit Sanktionen rechnen muss. Viele vertrauen den Gästen weil die auch Strafe zahlen müssen.

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alpenkoch

wenn ich abei nem Preisausschreiben mitmache mache ich mehr Angaben von mir. Was soll das denn? Wenn ich wo essen gehe muß ich halt heutzutage Regeln einhalten

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Silviatempelmayr

Ich habe mit der Registrierung meiner Daten überhaupt kein Problem. Pesu07 hat völlig Recht, im Internet ist man sowiso der gläserne Mensch.

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