Geschmack: BITTER

Bittere Geschmacksnoten irritieren unseren Gaumen. Dennoch runden sie den Genussreigen von süß, salzig, und sauer perfekt ab. Sie sind unverzichtbar für unsere Gesundheit und verleihen Speisen und Getränken eine interessante Note.

Geschmack: BITTER Bitterstoffe sind unverzichtbar für unsere Gesundheit. Sie fördern die Verdauung und stärken unser Immunsystem. (Foto by: studiograndouest / Depositphoto.com)

Stärken Bitterstoffe unser Immunsystem?

Es sind vor allem die natürlichen Bitterstoffe, die unser Immunsystem auf Trab bringen, in dem sie den gesamten Verdauungsprozeß stimulieren. Gleichzeitig regulieren sie das Verlangen nach Süßem. Oft kommen sie als künstliches Aroma daher und machen ihren natürlichen Verwandten Konkurrenz. Dabei ist dieser Ersatz nicht notwendig.

Bitterstoffe sind in vielen Lebensmitteln in unterschiedlicher Konzentration enthalten. Sie stecken in Obst, Gemüse, Nüssen und Kräutern. Was oft in Vergessenheit gerät: Jedes Wildkraut enthält wertvolle Bitterstoffe.

Wer sich mit den wilden Kräutern nicht so gut auskennt, kann auf die kultivierten setzen. Dazu gehören:

  • Salbei
  • Basilikum
  • Bohnenkraut
  • Rosmarin
  • Thymian
  • Koriander
  • Dill
  • Anis
  • Fenchel und
  • Kümmel

Welche Obst- und Gemüsesorten beinhalten Bitterstoffe?

  • Chicorée
  • Radicchio
  • Rucola
  • Grapefruit
  • Kumquat
  • Artischocke
  • Brokkoli
  • Rosenkohl
  • Oliven
  • Walnüsse
  • Mandeln und
  • Zitrusfrüchte

Auch in Grünem Tee, Kaffee, Bier, Orangenmarmelade, dunkler Schokolade und in den bitteren Mandeln stecken sie drin.

Bitterstoffe weggezüchtet?

  • Was wäre ein duftender Weihnachtsstriezel ohne zwei oder drei Bittermandeln? Würde denn der köstliche Topfenkuchen mit reichlich Süßmandeln ohne den zarten Hauch von Bittermandelaroma genauso köstlich sein?
  • Der geschmackliche Gegenspieler von Bitterem ist alles Süße. Darauf werden unsere Geschmacksnerven schon früh trainiert. Heute wird Bitteres einfach weggelassen oder mit Süßem kaschiert. Der daraus resultierende Zuckerkonsum, der daraus entsteht, ist vielen nicht bewusst.
  • Ganz in diesem Sinne wurden bei Obst und Gemüse die ungewöhnlichen Akzente einfach weggezüchtet. So wurde in den vielen Jahrzehnten der Züchtung unbewußt auch unser Geschmack manipuliert. Gurken oder Salate enthalten durch die Züchtung nun weniger Bitterstoffe.
  • Stattdessen packt man die gesunden Bitterstoffe vorzugsweise in gehaltvolle Liköre und Schnäpse und serviert Alkohol als verdauungsfördernde Digestifs oder als hochwertige Nahrungsergänzung.

Ist bitter gleichzusetzen mit gesund und was bedeutet bitter in der Ernährung?

  1. Sie gelten als Treibstoff für den Stoffwechsel, regen Speichelfluss, Leber und Galle an.
  2. Die Eisenaufnahme wird verbessert. Der Zellstoffwechsel wird angeregt und die Darmflora reagiert positiv auf die Stoffe.
  3. Geschätzt werden sie aufgrund ihrer fiebersenkenden und keimreduzierenden Wirkung und weil Bitterstoffe den Insulinspiegel ausgleichen.
  4. Bitterstoffe sorgen für eine Befeuchtung der Schleimhäute und fördern so ein gesundes Milieu für die Darmflora und bringt somit unseren Säur-Basen-Haushalt in Einklang.

Geschmack: BITTER Bitterstoffe sind auch als Gerbstoffe oder Tannine bekannt. (Foto by: asinskki / Depositphoto.com)

Die Top 5 der Bitterkräuter:

  • Wermutkraut
  • Beifuß
  • Wegwarte (Zichorie)
  • Enzian
  • Löwenzahn

Was als bitter empfunden wird, hängt stets von unserem individuellen Geschmacksempfinden ab. Besonders bei Kindern ist der bittere Geschmack unbeliebt.

Man führt das auf die frühen Esserfahrungen mit Muttermilch und Babybrei zurück. Der Umgang mit dem speziellen Geschmack kann jedoch von Menschen jeden Alters trainiert werden.

Allerdings wird den Bitternoten auch eine wichtige Warnfunktion zugewiesen: Bittere Lebensmittel signalisieren Gefahr und können giftig oder ungeniessbar sein. Denn schmecken Gurke, Kürbis, Zucchini und Melone bitter, dann sind sie verdorben und sollten sie entsorgt werden.

Welche Bitterstoffe gibt es?

  1. So vielseitig wie ihr Vorkommen in den unterschiedlichen Lebensmitteln, sind auch die Namen der betreffenden Stoffe. Chemisch betrachtet verbindet alle Bitterstoffe lediglich ihr Geschmack. Die Pharmazie systematisiert sie nach einem individuellen Bitterwert.
  2. In Zichorien (Wegwarte) ist es das Intybin. In Artischocken heißt der Bitterstoff Cynarin. Im Wermutkraut wirkt Absinthin, das auf der Skala der Bitterwerte mit 3.000.000 zu Buche schlägt.
  3. Chinolin aus Baumrinden steckt in chininhaltigen Bitterlimonaden und im legendären Angostura Bitter. Amarogentin ist in einigen Enzianen enthalten. Amygdalin macht die Mandeln bitter.

Tipps & Fazit

  • Der Einkauf auf dem Bauernmarkt, in Hof- und Bioläden bietet sich an, weil alte Sorten mehr Bitterstoffe als moderne Züchtungen aufweisen.
  • Bittermandeln enthalten Blausäure, die vor allem für Kinder gefährlich werden kann. Diese verflüchtigt sich jedoch beim Backen. Eine Alternative ist natürliches Bittermandelöl, das keine Blausäure mehr enthält.
  • Ganz unkompliziert kann man seine Speisen mit Bitterstoffen als Tropfen oder Pulver aufpeppen.

Bewertung: Ø 5,0 (8 Stimmen)

User Kommentare

Maarja

Das ist ein wirklich ganz toller Artikel. Mega-interessant. Ich wusste ja, dass Bitterstoffe gesund sind, aber nicht genau, warum

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Katerchen

Ein interessanter Artikel über die Bitterstoffe. Da tauchen Kräuter, Gewürze und Gemüse auf wo ich nie dachte, dass da Bitterstoffe drin sind.

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DIELiz

dem interessanten Artikel nach, ich habe eindeutig einen Hang zu bitteren Lebensmitteln. Viele meiner Lieblingsspeisen finde ich in den Listen wieder

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Maarja

Es ist schon komisch mit dem bitteren Geschmack. Ich liebe Löwenzahnblätter aber bittere Zucchini könnte ich nicht essen

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Superschnepfe

Man schmeckt die Bitterstoffe ja nicht immer stark raus. Sonst wäre das Kochen bestimmt sehr eingeschränkt, da keiner nur Bitteres essen möchte.

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Silviatempelmayr

Auch die Bitterstoffe sind für unsere Verdauung sehr wichtig. Wenn sie gut gewürzt sind schmecken sie auch lecker.

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Paradeis

Interessanter Artikel, wobei ich manche dieser angeführten Sorten nicht mit Bitterstoffen in Verbindung bringen würde, zumindest spüre ich nicht beim Essen irgendwelche Bitterstoffe.

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MaryLou

Ganz besonders schwer, warte auch ich auf meinen geliebten (bitteren) Röhrlsalat mit Knoblauch. Als Kind war der Salat eher unbeliebt. Ich mag mittlerweile die bitteren Salate und Kräuter da sie meine Galle in Schuß halten.

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koch_madame

Ich liebe es im Frühling frischen Löwenzahn zu pflücken und ihn dann zu einem Salat zu verarbeiten. Am besten einige gekochte Erdäpfel und etwas Zwiebel dazu. Dann normal würzen mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer nach belieben. So köstlich. Das gehört für mich zu Ostern dazu wie der Striezel und die Ostereier.

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Thanya

Ist ja interessant. Wobei ich sagen muss, dass ich die aufgelisteten Kräuter bisher nicht als bitter wahr genommen habe.

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